Piraten Hamburg

sog_piraten01

Als die Piraten Hamburg im Herbst 2009 in ihre ersten Saison überhaupt gingen, war alles neu: Der Name, die Mannschaft, das Trainerteam, die Liga. Einfach alles. Die Idee, die besten Talente des Hamburger Basketballs unter einem Dach zu vereinigen, hingegen war zwar nicht neu, doch umgesetzt hatte sie bislang keiner. Verschiedene Interessen, Neid, der misstrauische Blick zum Nachbarclub, fehlende „man power“, das eigene Süppchen. Viele Faktoren, die in der Vergangenheit ein Projekt nach Machart der Piraten be- und verhinderten, somit auch neue Impulse zugunsten der Nachwuchskräfte in und um Hamburg ausbremsten. Doch die Initiatoren der Piraten scherten sich nicht um Vergangenes, sondern handelten viel lieber. Mit Headcoach Marvin Willoughby und Manager Marcus Meyer an der Spitze schickte man sich an, in der JBBL auf Beutezug zu gehen. Doch das ist nur der eine Teil des Plans: „Die Saison ist das Tagesgeschäft, aber wir wollen eine Weiterentwicklung. Unser Interesse liegt darin, langfristig zu arbeiten. Wir haben eine Idee, wie die Zukunft im Hamburger Basketball aussehen soll“, sagt Willoughby. Dass sich der ehemalige Nationalspieler selbst als „Zugpferd“ des Projekts eingespannt hat, kündet von der Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit der Piraten. Persönliche Ziele oder Profilierung stehen dabei weder an erster noch an zweiter Stelle, sondern sind den Machern fremd: „Wir tun es der Sache wegen, wir wollen den Basketball in Hamburg voranbringen“, betont der ehemalige Profi. Willoughby selbst verließ 1998 den SC Rist und damit das Hoheitsgebiet des HBVs, um den nächsten persönlichen Karriereschritt zu tun und sich mit den Besten der Besten in Deutschland zu messen. Dass dieser Gang in die Fremde eines Tages nicht mehr vonnöten ist, sondern Talente an Elbe und Alster gehalten werden können, ohne sportliche Stagnation hinzunehmen und auf einem begrenzten Level verbleiben zu müssen, sondern vielmehr auf höchstem Niveau agieren zu können, umreißt ein Fernziel, das hinter Willoughbys Vision steckt.


Doch vor den großen kommen die kleinen Schritte. Und diese scheut sich der Headcoach nicht, seinen Schützlingen im Täglichen zu vermitteln. Seite an Seite mit einem weiteren ehemaligen Berufs-Basketballspieler: „Moris Hadzija unterstützt mich auf überragende Weise. Er hat in vielen Dingen einen anderen Ansatz als ich und dadurch ergänzen wir uns sehr gut“, so Willoughby über seinen „Co“. „Wir wollen den Jugendspielern vermitteln, ehrgeizig zu sein. Dazu gehört auch, der Beste sein zu wollen und jedes Spiel gewinnen zu wollen“, erläutert der Cheftrainer. Aber deshalb ein jede Partie in der U16-Bundesliga auf Biegen und Brechen oder gar auf Kosten der Entwicklung seiner Jungs zu den eigenen Gunsten zu entscheiden suchen – dieser Vorgehensweise setzt Willoughby ein deutliches Stoppzeichen entgegen: „Die Entwicklung der Spieler ist sehr wichtig. Und ich finde, dass ganz viele Spieler, die in der letzten Saison bei den Piraten waren, gewachsen sind und sich verbessert haben. Der eine oder andere sieht aber auch, dass Leistungssport nichts für ihn ist und wie viel Arbeit dahinter steckt.“ Doch das Kooperationsprojekt sei keineswegs der einzige Faktor, der hier eine Rolle spiele und die Talente für den Leistungssport auf den Weg bringe, betont Willoughby: „Es ist ja nicht so, dass die Jungs zu den Piraten kommen und vorher nichts konnten. Das sind alles sehr gut ausgebildete Spieler. Da muss man den Vereinen und den Trainern einen großen Dank aussprechen.“ Auch die Hilfe und das Verständnis der Eltern sei ein großer Faktor gewesen, der zum Gelingen der Premierensaison beigetragen habe, sagt der ehemalige Nationalspieler. Denn letztlich gehe es nur mit der Freude und Lust an der Sache: „Ich bin der Meinung, dass man an dem, was man tut, Spaß haben wollte. Sonst geht es nicht.“ Und Spaß hat auch Willoughby selbst, wenn er seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz aus 35 A-Länderspielen und zahlreichen Bundesliga-Auftritten an seine Jungs weiterreicht: „Wir haben super Charaktere in der Mannschaft, die das Projekt und das Training sehr gut annehmen und sich verbessern wollen.“

sog_piraten02

Nicht nur seine Schützlinge, sondern auch der Headcoach selbst verbuchte für seine Tätigkeit im ersten Jahr mit den Piraten wichtige Zugewinne: „Ich habe während der Saison viel gesehen und viel gelernt. Über Basketball, im taktischen und im zwischenmenschlichen Bereich.“ Dabei bezieht Willoughby auch die Erfahrungen ein, die er als Assistant Coach der U16-Nationalmannschaft sammelte. Dementsprechend differenziert reflektiert der 32-Jährige das eigene Projekt. Und ebenso die JBBL, die wie die Piraten 2009 aus der Taufe gehoben wurde. „Aus Sicht des Vereinstrainers sage ich: Ja, dank der JBBL bekommen die Spieler die Möglichkeit, sich auf höherem Niveau zu beweisen und sich gegen bessere Gegner zu behaupten. Aus Sicht des Nationaltrainers sage ich jedoch, dass die Einführung der JBBL als eine U17-Liga besser gewesen wäre als die U16, die sie jetzt ist. Im internationalen Vergleich sieht man, dass andere Länder in diesem Alter weiter sind und gegenüber den deutschen Spielern Vorteile haben“, führt Willoughby aus. Darüber hinaus sei der Übergang zur NBBL (U19-Bundesliga) für diejenigen Akteure, die aus Altersgründen nicht mehr in der JBBL mitmischen dürfen, somit ein sehr großer, für viele zu großer Schritt. Motivationsverlust oder ein „verschenktes Jahr“ sei bei manchem Talent, das körperlich den deutlich höheren Anforderungen der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga noch nicht gewachsen sei, deshalb zu befürchten. „Es gibt da noch strukturelle Probleme und vielleicht sollte man deshalb über Regeländerungen nachdenken“, regt Willoughby an. Gleiches gelte für die Einführung der Zonenverteidigung, die bei der internationalen Konkurrenz ebenfalls zu einem früheren Zeitpunkt angewendet werden dürfe.

Festzuhalten bleibt: Die Piraten sind noch längst nicht im Zielhafen angekommen. Die Vision ist da und nicht minder ausgeprägt der Wille, diese in Zukunft zu erreichen. In der neuen Saison sollen auf dem Weg dorthin erst einmal die nächsten Schritte getan werden. Viele kleine, vielleicht aber auch schon der eine oder andere etwas größere.

Weiter Infos und aktuelle Spielbereichte unter www.piraten-basketball.de

The secret of any online business is web hosting. Select the best hosting service reading offered by justhost.
Impressum - Kontakt
Free Joomla Templates designed by Joomla Hosting | More Joomla Templates